Zu der Zeit als der heilige Bonifatius in Wendehausen weilte um die Menschen in dieser Gegend den christlichen Glauben näher zu bringen, herrschte eine große Dürre im Lande. Schon monatelang war kein Tropfen Regen gefallen. Die Felder waren verdorrt, alle Quellen der Umgegend ausgetrocknet. Menschen und Vieh schmachteten nach Wasser. Um ihren Durst stillen zu können, wanderten die Leute nach der Werra, deren Wasser aber auch so stark gefallen war, dass man sie leicht durchschreiten konnte. In einer seiner Ansprachen wies Bonifatius seine zahlreich herbeigeeilten Zuhörer darauf hin, in allen Nöten ihr Vertrauen auf den Gott der Christen als den allein wahren Gott zu setzen, dessen Macht und Güte unbegrenzt sei. Dann erzählte er ihnen, wie der große Führer des israelitischen Volkes, indem er auf Gottes Geheiß mit seinem Stabe gegen den Felsen schlug, der Wassernot in der Wüste ein Ende gemacht habe. Staunend hatten die Menschen zugehört. Da trat aus der Menge ein Mann hervor, dessen stattliche Erscheinung man es ansah, dass er unter den Einwohnern eine führende Stellung einnahm. Er stellte seine Lanze vor sich auf den Boden, umfasste sie mit beiden Händen und sprach zu Bonifatius gewandt: "Groß ist die Not der Dürre, unter der wir leiden. Allvater zürnt uns. Wir haben zu Wodan um Erbarmen gefleht. Wir haben Donar Opfer über Opfer gebracht, dass er mit seinen Ziegenböcken durch die Luft fahre und uns ein erquickendes Gewitter sende. Allein es hat den Anschein, als ob unsere Götter ohnmächtig seien. Mache du es wie der Führer des israelitischen Volkes. Hier hast du meine Lanze. Bringst du Wasser aus den nahen Felsen hervor, so wollen wir dir und deinem Gotte glauben." Die Umstehenden spendeten der Rede Beifall, und der Mann bot Bonifatius seine Lanze dar. Dieser nahm sie ohne zu zögern entgegen, sah auf zum Herrn und betete einige Augenblicke in der Stille. Dann löste er von seiner Brust das Kruzifix und machte mit ihm das Zeichen des Kreuzes über die Lanze. Dann warf er diese unter Anrufung der allerheiligsten Dreifaltigkeit gegen den Felsen. Welch eine Überraschung! Auf einmal war es wie wenn ein Rauschen im Inneren des Berges zu hören sei, und nach kurzer Zeit entsprang dem Felsen eine starke Quelle. Wie gebannt waren alle dem Vorgang gefolgt. Als sie das Wasser hervorsprudeln sahen, waren sie zuerst sprachlos. Dann riefen sie laut: "Groß ist der Gott der Christen!" und drängelten zu der neuen Quelle, um zu trinken. Bonifatius begann nun, die Leute näher in der christlichen Religion zu unterrichten. Nachdem er sie in den Grundgedanken des Glaubens genügend unterwiesen hatte, taufte er sie mit dem Wasser der Quelle, die er auf so wunderbare Weise hervorgerufen hatte und die seither auch in den trockensten Jahren immer Wasser geliefert hatte.
Dies ist eine Wendehäuser Erzählstation. GPS-Koordinaten des Bonifatiusbrunnen: 51.162683, 10.2500055 Weitere Erzählstationen in der Nähe: - Mühlen in Wendehausen - Spritzenhaus - Wendehäuser Quellen